2000-03-03: "Quo vadis Formula Uno?""

Die Zeit steht nicht still. Diese alte Phrase hat wohl in kaum einem Bereich eine so hohe Gültigkeit wie in der Formel 1.
Aber wir erleben zur Zeit einen wahrhaft epochalen Wandel mit. Ich meine hiermit nicht den sicherlich symbolträchtigen Generationswechsel, welcher sich wunderbar am Abschied Damon Hills und dem gleichzeitigen Erscheinen Jenson Buttons personifizieren lässt. Auch den computer- oder materialtechnischen Quantensprünge die von Jahr zu Jahr zu beobachten sind, möchte ich mich heute nicht widmen.
Heute möchte ich zum nachdenken anregen über ein Thema, welches sich nach den Meldungen der letzten Wochen schon fast aufdrängt: Die Übernahme der Formel 1 durch mächtige Automobilkonzerne. Vorbei sind die Zeiten, als man sagen konnte: Tyrrell baut das Chassis, Cosworth den Motor. Und das nicht allein deshalb, weil Tyrrell nicht mehr in der Formel 1 aktiv ist, sondern weil Kooperation zwischen Chassishersteller und Motorhersteller so vielfältig geworden ist, dass es schon fast nicht mehr möglich ist, hier eine Grenze zu ziehen.
Und der Trend geht schon zur Übernahme. DaimlerChrysler ist Anteilseigner bei McLaren, Ferrari ist eine Außenstelle aber trotzdem Herzstück von Fiat, Ford hat Stewart gleich komplett übernommen und auch der Einstieg von Renault bei Benetton könnte bei genauerer Analyse wohl ähnlich genannt werden. Mit Toyota kommt in 2 Jahren ein weiterer Konzern hinzu, der mehr tun will, als nur einen Motor zur Verfügung zu stellen
Keine Frage, es wird mehr Geld ins Spiel kommen, wodurch das technische und das organisatorische Niveau nochmals ansteigen wird. Die Formel 1 wird weiter professionalisiert aber auch kommerzialisiert. Bei der Fahrerwahl wird nicht nur wichtig sein, wie schnell jemand ein Auto bewegen kann, inwieweit er ein Team voranbringen kann und wie energisch er auf der Strecke kämpfen kann, sondern auch die Frage, ob er seine Frau medienwirksam warnen kann, dass es glatt sein könnte.
Das größte Risiko sehe ich in der Langfristigkeit solcher Engagements. Mit Ausnahme von Ferrari und ggf. Ford haben alle erfolgreichen Motorenhersteller - BMW, Porsche Honda, Renault - nach einer mehrjährigen Erfolgsphase eine Pause eingelegt und sich auf den wohlverdienten Lorbeeren ausgeruht. In der letzten großen McLaren-Zeit in den späten 80-ern spielte es eine untergeordnete Rolle, ob man nun mit Porsche oder mit Honda-Motoren antrat. Es war nur ein Motorenlieferant. Aber was würde passieren, wenn Mercedes sich heute überlegen würde, dass eine Pause von 5-7 Jahren ganz gut tun würde?
Bei allen aus diesem Trend erwachsenden Vorteilen, die auch aus meiner Sicht überwiegen, mahne ich doch schon heute: Wehret den Nachteilen!
Und Teams wie Sauber, Arrows und Prost kann ich nur den einen Tipp mit auf den Weg geben: Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben.
Viel Glück und viel Segen - Didi Hegen !

Euer Alex!

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