2000-06-07: "Glück im Unglück für McLaren""

Ein spannendes und ereignisreiches Rennen sahen wir ja schon zwischen dem 2. und dem dann endlich geglückten 3. Startversuch. Atemberaubend, wie Pedro Diniz sich nicht von den Streckenposten beirren ließ, einen sehenswerten Satz über die Leitplanken machte und den so gewonnenen Vorsprung gegenüber Zonta und Nick bis zum Ziel verteidigen konnte. Abgeschlagen dahinter landeten Jenson Button und Marc Gene auf den weiteren Plätzen. Mazzacane wurde disqualifiziert, weil er gefahren ist.
Aber nach ein Paar missglückten Versuchen startete dann doch noch ein Grand Prix. Und der endete für die wenigsten Teams wirklich zufriedenstellend.
McLaren hatte nach dem verpatzten Qualifying noch das Glück, dass, wie von mir prophezeit, auch Michael Schumacher mal ausfällt. Obwohl das Potential klar erkennbar war, konnten weder Coulthard noch Häkkinen ihre gelben Bremsen abstreifen und verloren mehr Zeit, als man fahrerisch hätte wieder gut machen können. Die technischen Probleme an Hakkinens Wagen hätten auch zu einem WM-Vorsprung von fast 30 Punkten für Schumacher führen können. Aber auch DC muss ja mal Glück haben und so gibt es jetzt definitiv 3 WM-Kandidaten. McLaren profitiert jetzt davon, dass es keine Teamorder gibt, bei den Konstrukteuren noch mehr als in der Fahrer-WM. Nur an Mika Hakkinen scheint die Saison bis jetzt etwas vorbeizulaufen. Nach den ersten beiden Rennen in Australien und Argentinien war das nun schon das dritte Mal, dass Hakkinen durch einen technischen Defekt gestoppt wurde.
Bei Ferrari konnte Barrichello endlich mal wieder ordentlich punkten, Schumacher hingegen muss einsehen, dass man in diesem Jahr von der Pole nicht gewinnt. Dem Jordan-Team gilt mein ganzes Mitleid. Eine starke Leistung im Qualifying, im Rennen auch gut dabei, Jarno Trulli das ganze Wochenende über fehlerfrei und extrem schnell und dann stoppt ihn wieder das Getriebe. Und anstatt das Team aus der Krise zu fahren, macht HHF etwas, das wir von ihm in den letzten 1 ½ Jahren gar nicht gesehen haben: einen unnötigen Fahrfehler. 6 sichere Punkte dahin. Eddie Jordan Sonntag abend anzusprechen, habe ich wohlweißlich unterlassen.
Nullnummer auch bei Williams, die die Performance der ersten Rennen nicht so ganz bestätigen können, was leider auf Jenson noch mehr zutrifft, als auf Ralle, der durch seinen eigentlich harmlosen Unfall einen Sicherheitsmangel an den diesjährigen Chassis offen legte. Erschreckend schwach präsentierte sich auch BAR. Villeneuve konnte zu keiner Zeit das Tempo von Salo oder gar den davor liegenden Piloten mitgehen. Eher schien es so, als habe er seinen Teamkollegen Zonta noch aufgehalten. Die Stärken des BAR liegen sicher eher im Motor und ggf noch in der Aerodynamik, sicher aber nicht in der Mechanik. Gleiches gilt auch für Arrows, die die Erwartungen von Tom Walkinshaw, ab jetzt regelmäßig zu punkten nicht mal annähernd erfüllen konnten.
Bei Benetton das alte Lied: Fisichella top, Wurz schwach und durch Fahrfehler ausgeschieden. Natürlich in Sainte Devote, wo auch einige andere vorzeitig den Grand Prix beendeten. Seitdem klar ist, dass Wurz nächstes Jahr durch Villeneuve ersetzt wird,scheint er sogar noch schlechter zu werden. Er wird die Saison nicht bei Benetton zu Ende fahren. Davon gehe ich nach einem sehr aufschlussreichen Gespräch mit Flavio Briatore inzwischen aus.
Freude herrschte sicher bei Jaguar und Sauber, die durch einen unauffälligen aber schnellen Eddie Irvine bzw. durch Mika Salo, der sich gegen Hakkinen wehren konnte 3 bzw. 2 wohlverdiente WM-Punkte einfahren konnten. Bei Sauber deutet sich auch motorentechnisch eine Neuerung an. Genauso wie Minardi sollen auch die Schweizer für die kommende Saison Peugeot-Triebwerke erhalten, wohingegen Alain Prost mir bestätigen konnte, dass man 2001 mit Supertech-Motoren antreten wolle. Nach einer Verbesserung klingt das für meine Ohren allerdings nur bei Minardi und ggf. bei Prost, sollte Renault die Entwicklung des Supertech forcieren um für 2002 bestens gerüstet zu sein. Sauber ist weiter auf einem absteigenden Ast, von dem man sich auch nur retten kann, wenn man eine Partnerschaft mit einem großen Automobilkonzern eingeht. VW wäre ein solcher. Und mit Audi hätte man auch eine Marke, für die sich ein Einstieg lohnen würde, jetzt wo BMW und Mercedes schon da sind. Aber VW signalisiert derzeit noch überhaupt keine Bereitschaft Millionensummen in die Formel 1 zu investieren, nur um sich dort von den anderen deklassieren zu lassen.
Mika Salo hat daher sicherlich eine sehr sinnvolle Entscheidung getroffen, für das Jahr 2002 bei Toyota zu unterschreiben, wo er mit dem erfahrenen Test- und unerfahrenen Rennfahrer Alan McNish die Fahrerpaarung fürs Einstiegsjahr bildet.

Euer Alex!

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