2007-08-27: "Transfermarkt aktuell – Hat sich Alonso selbst ausgebremst?""

Nun haben wir eine Situation, die das möglich werden lässt, was sich jeder Formel 1 Fan nur wünschen kann: 4 Fahrer haben jeweils genau 3 Rennen gewonnen, in beiden WM-fähigen Teams gibt es ein teaminternes Duell mit nicht viel weniger Brisanz als die legendären Senna-gegen-Prost-Duelle der späten 80-er und frühen 90-er und der selbsternannte Fachmaître Alex hat nicht Besseres zu tun, als über Transfermarkt-Ereignisse zu berichten, wie die scheinbar perfekte Verpflichtung des jungen Nelson Piquet jr. bei Renault für 2008.

Auch ich träume Nachts von der Ausgangsposition für den Brasilien-GP: Hamilton 100 Punkte, Raikkönen 100 Punkte, Alonso 99 Punkte, Massa 99 Punkte. Wer das Rennen zur europäischen Fernseh-Primetime gewinnt ist Weltmeister; und womöglich wird es ein Brasilianer vor eigenem Publikum – oder Raikkönen durch ein Überholmanöver auf der Strecke gegen Alsono, der bei einsetzendem Regen die Pace des Finnen nicht mitgehen kann. Um solche Gedanken nicht zu haben sind der derzeitige WM-Stand plus das derzeitige Kräfteverhältnis zu verlockend.

Doch bei aller Vorfreude auf die nächsten 5 Rennen möchte ich nicht die Qualifying-Aktion des Herrn Alonso aus Ungarn vergessen. Nicht nur, dass er sich dadurch Sympathien bei den Fans verspielt hat, was Allein schon schädigend genug wäre, da dieser Faktor den Marktwert eines Fahrers stark beeinflusst. Hat denn Alonso tatsächlich geglaubt, dass ein Team mit 2 guten Fahrern ihm einen solchen Fauxpas einfach so verzeiht, weil so was mal passieren kann?

Hamilton legt als Newcomer eine Saison hin, die auch nach nun 12 gefahrenen Rennen einfach nur zu bewundern ist. Er kommt daher, weist den 2-fachen Weltmeister Alonso vom ersten Rennen an in seine Schranken und hat scheinbar überhaupt keine Nerven. Aber in einer solchen Situation den Teamkollegen zu blockieren, das Ganze vor der Presse als eine Entscheidung des Teams darzustellen und nun zu hoffen, dass er von der Pole das Rennen nach Hause fahren kann, ist mehr als töricht. Natürlich wäre eine Teamentscheidung in der Situation eine unerlaubte Stallorder. Aber soll das Team nun sagen: Alonso hat auf eigene Faust gewartet?

An Ron Dennis Stelle hätte ich dies getan – und dann aber auch die natürlichen Konsequenzen daraus gezogen, die da geheißen hätten:

a) Alonso entschuldigt sich, wird teamintern bestraft und die FIA tut Nichts, da Niemand sich beschwert
b) Man ist konsequent und wirft Alonso fristlos raus, da er gegen das ureigenste Interesse des gesamten Teams arbeitet, das heißt: Jeden möglichen Punkt holen.

Alonso kann von Glück sagen, dass er im Team Fürsprecher hat, die diese Szenarien abgewendet haben. Doch was passiert nun mit Alonso im Jahr 2008?

McLaren wird Alonso, zumal wenn er nach dieser Aktion noch immer seinem Team vorwirft, ihm nichts zurückzugeben, ihn nicht zu unterstützen, in 2008 nicht weiterbeschäftigen, sollte Alonso nicht in den nächsten Rennen durch pure Leistung punktemäßig an Hamilton vorbeiziehen und Weltmeister werden. Nach dem, was auch Istanbul wieder gezeigt hat, ist dies mehr als unwahrscheinlich.

Ferrari hat mit Massa und Raikkönen ein starkes, immer besser in Fahrt kommendes und gut kooperierendes Team für 2007, 2008 und womöglich noch lange darüber hinaus. Einen der beiden ziehen zu lassen um sich einen in Ferrari-Land unbeliebten Alonso ans Bein zu binden, der auch noch teurer ist, als Massa oder Raikkönen, ist ausgeschlossen.

BMW-Sauber hat die Verträge mit Heidfeld, der eine erstaunlich reife und stabile Saison fährt, und Kubica, der sich von einem schweren Unfall nicht hat unterkriegen lassen, bereits verlängert und braucht keinen Alonso.

Bei Renault schmeißt nun soeben der noch bis Ende letzten Jahres als größter Alonso Fan geltende Flavio Briatore dem Spanier die Tür vor der Nase zu, indem er den sich in der Saison 2007 fantastisch entwickelnden Heikki Kovalainen sowie – wie nach Renaults Langzeitplan bereits vorgesehen – den jungen, mit seinem Namen automatisch für Aufsehen sorgenden Brasilianer Nelson Piquet jr. als Fahrerpaarung 2008 vorstellt.

Außer den 4 Top-Teams kann für Alonso allerdings Nichts in Frage kommen, zumal Team Nr. 5 in der derzeitigen Rangordnung – Williams – mit Nico Rosberg verlängert hat und seit Fisichella vor wenigen Tagen beobachtet wurde, wie er bei inoffiziellen Testfahrten einen knattrigen alten Mann im Rollstuhl durch den Donington Park schob, sollte auch die Frage nach dem zweiten Williams Piloten relativ eindeutig klar sein, während sich Alexander Wurz mit seinen Leistungen eher wieder für die Rolle als Test- und Entwicklungspilot empfiehlt.

Einziger Hoffnungsschimmer für Alonso ist neben der Geldgier des Ron Dennis – eine Vertragsauflösung mit Abfindungszahlung hat noch keiner seiner ehemaligen Angestellten aushandeln können – die Kühnheit und Unmenschlichkeit des Flavio Briatore. Ihm ist durchaus zuzutrauen, dass er mit Kovalainen oder Piquet jr. nur ein unwürdiges Spiel treibt, um das Salär des (ehemaligen) Superstars Alonso für 2008 zu drücken. So oder so ist der Spanier aber in einer unbequemen Situation und man darf gespannt sein, wie sich diese Geschichte weiter entwickelt.

So lange sollten wir uns wieder auf das Wesentliche konzentrieren – die spannendste Formel 1 Saison seit Menschen Gedenken geht in die entscheidende Phase. Und wir können am Fernseher und am Zeitenmonitor von www.formula1.com, der offiziellen Seite der Formel 1, live dabei sein.

In voller Vorfreude auf Italien,

Euer Alex!

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