2017-09-14: "Da staunt der Fachmann und der Laie wundert sich: Warum Vettel seine eigene Demütigung feiert und Fe""

Während in der Politik außerhalb Europas alternative Wahrheiten getwittert werden, demokratisch gewählte Autokraten den Nationalismus wiederentdecken oder dumm-dreiste Fettwänste Dr. No spielen und in Deutschland ein Wahlkampf ohne Kampf die Gemüter ermüdet, mutet – zumindest auf den ersten Blick – auch die Formel 1 heuer gar merkwürdig an.

Erinnern wir uns kurz an das Siegerzeremoniell im königlichen Park zu Monza, wo ein fröhlich jubelnder Sebastian Vettel das Bad in der Menge genießt, als hätte er gar nicht wahrgenommen, was in den 90 Minuten zuvor passiert ist. Zugegeben, niemand durfte überrascht sein, dass Mercedes auf dieser Highspeed Strecke das stärkste Paket hatte. Aber die Art und Weise, wie Hamilton, der bis zuletzt nur mit 95% fuhr und Valtteri Bottas, der nach dem schwierigen Qualifying in den ersten Runden die Konkurrenz stehen ließ wie Messi einen Verbandliga-Abwehrrecken, um dann ebenfalls noch mehr als 30 Sekunden Vorsprung vor Vettel herauszufahren, war eine derart dominante Vorstellung, dass man irgendwo zwischen größtem Respekt und der Angst vor doch noch auftretender Langeweile in dieser doch so spannend zu werden versprechenden Saison hin- und hergerissen war.

Nun kann man vielleicht noch den Standpunkt vertreten, dass Vettel mit dem dritten Platz, 15 Punkten und einem WM Rückstand von 3 Zählern bestmögliche Schadensbegrenzung betrieben hat. Doch die Chancenlosigkeit gegen Mercedes und noch viel schwerer wiegend die Tatsache, dass selbst Red Bull vom reinen Speed her schneller war als Ferrari; dass Daniel Ricciardo mit einem Renault getriebenen Auto Ferrari Mann Raikkonen auf der Strecke einfach so überholen kann, sollte in der Theorie Sorgenfalten und Enttäuschung, ja vielleicht gar Scham über Herrn Vettel bringen. Zumal man sich bei Red Bull so herzlich wenig für dies Rennen hatte ausmalen wollen, dass einfach einige Motorenteile getauscht wurden, weil man hier in Italien ohnehin keine Blumentöpfe gewinnen würde. Doch ohne die Strafversetzungen und den blöden Fehler des die ganze Saison schon unglücklich agierenden Noch-Immer-Giganten Max Verstappen wären wohl beide Red Bull vor Vettel ins Ziel gekommen.

Ebenso überrascht könnte man nach den arbeitsrechtlich abmahnungsreifen öffentlichen Hämen und Schelten des Fernando Alonso in Richtung seines Motorenpartners Honda sein, dass nun, wo endlich offiziell ist, dass McLaren auch in 2018 weiter mit japanischer Motorkraft an den Start gegangen wird, Alonso innerhalb der nächsten 15 Tage seinen Verbleib beim Britisch-Japanischen Misserfolgsgespann verkünden wird. Der Fernando Alonso, der vor den Ohren von Millionen Zuschauern sein Aggregat als „GP2 Engine“ bezeichnet und allein in dieser noch nicht vorbeien Saison schon 6 Mal vorzeitig sein Auto mit technischen Problemen vorzeitig hat abstellen müssen.

Erst bei genauerem Hinsehen erschließt sich dem geneigten Fan in beiderlei Hinsicht eine gewisse Logik. Vettel und Ferrari waren in Monza nicht nur zu langsam, sie haben – ja, diesen Begriff darf man Mitte September schon verwenden – verwachst. Mit der Abstimmung in die falsche Richtung entwickelt und dann im Rennen mit ähnlichem Hintergedanken wie Red Bull, Fahrzeug und Motor geschont. Denn: Wer im Ferrari das mittlere Saisondrittel mit den Rennen in Österreich, Silverstone Spa und Monza Kopf an Kopf mit Mercedes in den Endspurt gehen kann, der kann durch Extrapolation des Hungaroring-Ergebnisses eine mathematische Wahrscheinlichkeit errechnen, die WM Führung schnell wieder zurück zu holen. Diese ist nämlich: Hoch!

Es wird kein Spaziergang für Vettel. Dafür war Mercedes auf allen Strecken zu nah dran. Und die Aussage, dass man in Singapur „Gar Nix“ muss, ist schlicht wissentlich gelogen (was uns zurück um Anfang meiner Ausführungen bringen könnte, wenn diese Seite politischer wäre). Ja, richtig. Sebstian Vettel muss in Singapur nicht gewinnen. Aber: Sebastian Vettel muss in Singapur die Mercedes schlagen. Denn wenn das nicht gelingen sollte, dann kann man von einer Vorentscheidung im WM Kampf sprechen. Ein dritter Platz hingegen hinter Ricciardo und dem zukünftigen Weltmeister Max Verstappen, der aus dieser verkorksten Saison noch stärker hervorgehen wird als der 2016-er Max, wäre eine schöne Belohnung für die kämpferischen Red Bull und für Vettel ein wichtiger Etappensieg, der nebenbei noch sicherstellen könnte, dass die besten Fahrer dieses Jahres mit einem Zwischenstand von 250 : 250 in die letzten 6 Rennen gehen würden. Welch Aussicht!

Und die Alonso Logik? Alternative Fakten gibt es zu Hauf, alternative Möglichkeiten hingegen sind rar. Recht hat der angriffslustige Spanier, wenn er andeutet, dass McLaren das womöglich beste Chassis zur Verfügung hat. Und es wird sicherlich so sein, dass Honda nach drei Jahren einen großen Schritt nach vorn machen wird. Dieser wird nicht so groß sein, dass man 2018 um die Weltmeisterschaft kämpfen kann, aber sich statt der zuletzt sterbenden Hoffnung auf einen konkurrenzfähigen Motor im McLaren in ein Williams Cockpit setzt, dass mit dem besten Motor im Feld in Belgien nicht punktefähig war, ist keine gute Idee für jemanden, der trotz 36 Lenzen noch mal einen WM Titel erringen will. Dann doch lieber im schlecht motorisierten McLaren immer mal wieder aufzeigen, was man kann. Und anzudeuten, was man könnte, wenn in dem Heck ein Renault Motor stecken würde. Singapur kann dafür schon ein Fingerzeig werden….

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